Pflanzenportraits

Pflanzenportraits2020-09-01T10:14:13+02:00

Aktuelle Pflanzenvorstellungen von Wildkräuter- und Heilpflanzenpädagogin Conni Dietrich finden Sie hier. Conni hinterleuchtet in regelmäßigen Abständen Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter und veröffentlicht hierzu Artikel in der Butzbacher Zeitung.

Meerrettich – Armoracia rusticana

Meerrettich gilt als eines der Antibiotika der Volksmedizin.

Den meisten Menschen ist  Meerrettich als Gemüse aus dem Supermarkt bekannt. Doch die Meerrettichwurzel ist nicht nur Gemüse sondern auch eine altbewährte Heilpflanze. Seit dem 12. Jahrhundert wird der „Kren“, wie die Pflanze in Bayern und Österreich genannt wird, in den Klöstern Mitteleuropas angebaut. Der Name bezieht sich nicht auf einen Rettich vom Meeresstrand, sondern kommt aus dem Althochdeutschen „mer“ (=größer) und bedeutet „Großer Rettich“. Die mehrjährige, robuste Pflanze stammt aus der Familie der Kreuzblütler und kommt mittlerweile  auf allen Kontinenten vor. Die Pflanze benötigt viel Platz und gedeiht auf humosen, tiefgründigen und feuchten Lehmboden. Einmal im Garten gepflanzt, bekommt man sie nicht mehr so schnell los! Im Frühjahr erscheinen lang gestielte, dunkelgrün glänzende Blätter mit einem aufrechten Blütenstand. Reibt man an den Blättern steigen schwefelhaltige ätherische Senföle in die Nase. Ab Juli erscheinen in einer Blütentraube kleine, weiße, essbare Blütchen. Die kräftige Wurzel erntet man am Besten im Herbst, sobald sich das Laub einzieht, dann ist der Gehalt  an Senfölen und Vitamin C am höchsten. Der Meerrettich kann bis Ende Februar geerntet werden, zur Lagerung eignet sich ein frostfreier, dunkler Keller. Die Wurzel sollte in Sand oder Erde eingeschlagen werden oder man friert sie sauber gewaschen in langen Stücken ein. Meerrettich kann gut in gefrorenem Zustand geraspelt werden. Tatsächlich enthält die Wurzel viel Vitamin C und Kalium, vor allem aber antibiotisch wirkende Senföle. Meerrettich hilft gegen Erkältungskrankheiten und Infektionen der ableitenden Harnwege. Die Senföle/Scharfstoffe, welche desinfizierend wirken, lösen bei Atemwegserkrankung den Schleim und erleichtern das Abhusten, in der Niere haben sie eine harntreibende Wirkung. Im Magen regen die Senföle die Bildung von Magensaft an, dadurch werden der Appetit und die Verdauung gefördert. Bei der äußerlichen Anwendung wirkt die geriebene Wurzel hautreizend, erwärmend, durchblutungsfördernd und dadurch auch krampflösend. Ideal zur durchblutungsfördernden Behandlung bei leichten Muskelschmerzen und Neuralgien. Eine Meerrettich-Nackenkompresse hilft bei Nasennebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen oder Migräne.

Tipp:

200 g frischer Meerrettich reiben und in ein Schraubglas geben. 250 g Honig hinzufügen, über Nacht stehen lassen. Alles nochmal verrühren und möglichst zügig aufbrauchen, denn er verliert schnell an Schärfe! Täglich 1 Teelöffel als Kur einnehmen oder bei beginnender Grippe oder Husten 3 Teelöffel  einnehmen.

Aber Vorsicht: Nicht in die Augen oder auf Schleimhäute aufbringen und nicht länger als 5 Minuten Meerrettichkompressen auf der Haut belassen. Nicht anwenden bei Magen-Darmgeschwüren und eingeschränkter Nierentätigkeit.  Kinder unter 5 Jahren und Schwangere sollten ihn meiden.

Wacholder – Juniperus communis

Wacholder steht unter Naturschutz.

„Vor dem Holunder sollst du den Hut ziehen, vor dem Wacholder geh in die Knie“ – diese alte Volksweisheit zeugt von der Hochachtung der „Pflanzenapotheke“, die in alten Zeiten als Universalheilmittel galt. Für die Ägypter zählte er zu den wertvollsten Heilpflanzen. Auf einer Papyrusrolle von 1550 vor unserer Zeitrechnung  wurden bereits einige Heilrezepte mit Wacholder erwähnt. Unsere Vorfahren nutzten Wacholder für ihre Reinigungs- und Schutzriten. In der Pestzeit wurde die Kraft des Wacholders so hoch geschätzt, dass der Strauch beinahe ausgerottet wurde.  Als Räuchermittel wurde und wird er immer noch zum „Reinigen der Luft“ und zum Schutz vor Ansteckung  jeder Art genutzt.

Wacholder ist eine selten gewordene Pflanze und steht unter Naturschutz. Deshalb darf man Holz und Zweige nicht sammeln. In Butzbach und Umgebung stehen noch einige Exemplare. Die blauen, kugelrunden  Beeren können von September bis Oktober aber geerntet werden. Wacholderbeeren zu pflücken ist eine stachelige Angelegenheit. Die nadelförmigen Blätter  schützen recht schmerzhaft ihre heilkräftigen Früchte. Wacholder wächst langsam, kann 2000 Jahre alt werden und kommt gerne als Unterholz in lichten Wäldern, Heidegebieten, im Moor und auf Berghängen vor. Eine Wacholderpflanze wünscht sich einen sonnigen Platz, erträgt harte Winter und extreme Trockenheit. Die Pflanze gehört zu den Nadelgehölzen, den Koniferen und gehört zu der Familie der Zypressengewächse. Wacholder ist getrenntgeschlechtlich, das heißt die weiblichen und männlichen Blüten kommen auf verschiedenen Pflanzen vor. Die männlichen Wacholderbüsche tragen keine Früchte. Die weibliche Pflanze braucht drei Jahre, bis sie aus den bestäubten Blüten blaue, reife Früchte  (botanisch: Zapfen) zaubert.

Die reifen Wacholderbeeren sind ein gesundes Gewürz zu Sauerkraut, Soßen, Fleischgerichten und Fisch. Sie machen die Speisen bekömmlicher und wirken appetitanregend. Sie sind das einzige Gewürz, das von Nadelbäumen stammt und können gut mit Kümmel, Lorbeerblättern, Pfeffer und Majoran kombiniert werden. In der Alkoholindustrie wird Wacholder zu Gin, Genever oder zu  Verdauungsschnaps verarbeitet. Mit Wacholder –Tee hat man eine effektive Durchspülungstherapie bei einer beginnenden Harnwegsinfektion. Der Tee wird aus frischen oder getrockneten Früchten bereitet. Außerdem hilft er bei Magen- Darmbeschwerden, Sodbrennen, Galle- und Leberbeschwerden sowie gegen Stoffwechselkrankheiten wie Gicht und Rheuma.

Aber Vorsicht: Wacholder nicht in der Schwangerschaft und bei chronischer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) verwenden. Wacholderkuren sollten nur bei gesunden Nieren durchgeführt werden, die Inhaltsstoffe des Wacholders könnten auf das Nierengewebe negativ wirken, deshalb nie über einen längeren Zeitraum anwenden.

Tipp für die Grippezeit: Täglich 1-2  frische oder getrocknete Beeren zur Vorbeugung kauen.

Hundrose – Rosa canina

Die Rose ist die Königin der Blumen und Sinnbild der Liebe. Bereits in der Antike gebrauchte man Rosen als Wundheilmittel. Die Sorte “ Rosa centifolia „ wurde früher als Nervenmittel und als Tonikum bei Schwächezuständen verwendet. Obwohl Rosenblütenknospen eine Vielzahl kräftiger Wirkstoffe enthalten, werden sie heute fast nur noch in der Parfümerie sowie für kosmetische Zwecke oder zum Verschönern von Teemischungen verwendet.

In diesem Pflanzenportrait geht es um die Scheinfrüchte der Hundsrose, die Hagebutte. Es sind die wunderbaren roten, kugeligen oder ovalen Früchte die aus der Blüte der Rosen entstehen. Besonders wertvoll sind die Hagebutten der Wildrosen und Hundsrosen die fast überall in der Wildnis Europas wachsen. Die Pflanze ist ausgesprochen robust, anspruchslos und kommt mit trockenen Standorten gut klar. Wegen den ungefüllten Blüten sind  sie besonders wertvoll für die Nahrungsaufnahme aller Insekten.  In ihrem Inneren der roten Früchte verbergen sich steinharte Nüsschen, von feinen hellen, steifen Härchen umgeben. Diese Borstenhaare können bei Hautkontakt einen unangenehmen Juckreiz hervorrufen.  Süß und sehr vitaminreich sind Habebutten und schmücken erneut die Rosenbüsche und sind willkommene Nahrung für Mensch und Tier. Arzneilich verwendet werden alte Rosenarten (Rosa centifolia, Rosa gallica, Rosa damascena) oder alle Wildsorten. Hagebutten sollten ausgereift, aber noch hart geerntet werden. Für Teezubereitungen können die ganzen Früchte verwendet werden. Für das Herstellen von Marmelade, Fruchtmus oder Likör muss die Schale von den haarigen Kernen befreit werden. Besonders der Vitamin C- Gehalt macht die Hagebutten zu einem Superfood. 300 bis 3000 mg Vitamin C auf 100 g stecken in der Hagebutte. Somit stärkt die Hagebutte unser Immunsystem. Nicht einmal in der Zitrone steckt so viel Vitamin C wie in der Hagebutte. Es macht einen Unterschied, wie die Frucht zu sich genommen wird. Hagebutten können nach dem Entfernen von Nüsschen und Härchen roh verzehrt werden. In kommerziellen Produkten ist der Gehalt deutlich geringer als in frisch gepflückten Früchten oder in Hagebutten-Pulver. Zu den wertvollen Inhaltsstoffen der Hagebutte gehören auch die Vitamine A, B, E und K. Außerdem stecken viele wertvolle Flavonoide, Mineralstoffe (Kalium, Eisen, Magnesium, Natrium), Pektine und Spurenelemente in der kleinen Powerfrucht. Aber auch Karotinoide, ätherische Öle, Lezithin und Fruchtsäuren sind reichlich in der Hagebutte vorhanden und genau das spielt eine wichtige Rolle bei den heilenden Wirkungen der Hagebutte. Bei dem Krankheitsbild Arthrose hat die Hagebutte einen positiven Effekt. Sie unterstützt den Körper im Aufbau von Kollagen und hemmt gleichzeitig den natürlichen Abbau von Knorpel im Bereich der Hüfte, der Knien, Gelenke und Schultern.

Auch bei Harnwegserkrankungen wird die Hagebutte gerne eingesetzt. Die Fruchtsäuren in der Hagebutte besitzen harntreibende Eigenschaften. Durch die wassertreibende Wirkung werden die Harnwege gut durchspült und  damit von Bakterien und Pilzen befreit. Pektine in der Hagebutte wirken außerdem positiv auf diverse Magen-Darm- Beschwerden. Das

Ein Männlein steht im Walde….

„Männlein dort auf Einem Bein,
Mit seinem rothen Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein,
Kann nur die Hagebutte sein!“

Volkstümliches Kinderlied von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1843.

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