Pflanzenportraits

Pflanzenportraits2020-09-01T10:14:13+02:00

Aktuelle Pflanzenvorstellungen von Wildkräuter- und Heilpflanzenpädagogin Conni Dietrich finden Sie hier. Conni hinterleuchtet in regelmäßigen Abständen Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter und veröffentlicht hierzu Artikel in der Butzbacher Zeitung.

Hundrose – Rosa canina

Die Rose ist die Königin der Blumen und Sinnbild der Liebe. Bereits in der Antike gebrauchte man Rosen als Wundheilmittel. Die Sorte “ Rosa centifolia „ wurde früher als Nervenmittel und als Tonikum bei Schwächezuständen verwendet. Obwohl Rosenblütenknospen eine Vielzahl kräftiger Wirkstoffe enthalten, werden sie heute fast nur noch in der Parfümerie sowie für kosmetische Zwecke oder zum Verschönern von Teemischungen verwendet.

In diesem Pflanzenportrait geht es um die Scheinfrüchte der Hundsrose, die Hagebutte. Es sind die wunderbaren roten, kugeligen oder ovalen Früchte die aus der Blüte der Rosen entstehen. Besonders wertvoll sind die Hagebutten der Wildrosen und Hundsrosen die fast überall in der Wildnis Europas wachsen. Die Pflanze ist ausgesprochen robust, anspruchslos und kommt mit trockenen Standorten gut klar. Wegen den ungefüllten Blüten sind  sie besonders wertvoll für die Nahrungsaufnahme aller Insekten.  In ihrem Inneren der roten Früchte verbergen sich steinharte Nüsschen, von feinen hellen, steifen Härchen umgeben. Diese Borstenhaare können bei Hautkontakt einen unangenehmen Juckreiz hervorrufen.  Süß und sehr vitaminreich sind Habebutten und schmücken erneut die Rosenbüsche und sind willkommene Nahrung für Mensch und Tier. Arzneilich verwendet werden alte Rosenarten (Rosa centifolia, Rosa gallica, Rosa damascena) oder alle Wildsorten. Hagebutten sollten ausgereift, aber noch hart geerntet werden. Für Teezubereitungen können die ganzen Früchte verwendet werden. Für das Herstellen von Marmelade, Fruchtmus oder Likör muss die Schale von den haarigen Kernen befreit werden. Besonders der Vitamin C- Gehalt macht die Hagebutten zu einem Superfood. 300 bis 3000 mg Vitamin C auf 100 g stecken in der Hagebutte. Somit stärkt die Hagebutte unser Immunsystem. Nicht einmal in der Zitrone steckt so viel Vitamin C wie in der Hagebutte. Es macht einen Unterschied, wie die Frucht zu sich genommen wird. Hagebutten können nach dem Entfernen von Nüsschen und Härchen roh verzehrt werden. In kommerziellen Produkten ist der Gehalt deutlich geringer als in frisch gepflückten Früchten oder in Hagebutten-Pulver. Zu den wertvollen Inhaltsstoffen der Hagebutte gehören auch die Vitamine A, B, E und K. Außerdem stecken viele wertvolle Flavonoide, Mineralstoffe (Kalium, Eisen, Magnesium, Natrium), Pektine und Spurenelemente in der kleinen Powerfrucht. Aber auch Karotinoide, ätherische Öle, Lezithin und Fruchtsäuren sind reichlich in der Hagebutte vorhanden und genau das spielt eine wichtige Rolle bei den heilenden Wirkungen der Hagebutte. Bei dem Krankheitsbild Arthrose hat die Hagebutte einen positiven Effekt. Sie unterstützt den Körper im Aufbau von Kollagen und hemmt gleichzeitig den natürlichen Abbau von Knorpel im Bereich der Hüfte, der Knien, Gelenke und Schultern.

Auch bei Harnwegserkrankungen wird die Hagebutte gerne eingesetzt. Die Fruchtsäuren in der Hagebutte besitzen harntreibende Eigenschaften. Durch die wassertreibende Wirkung werden die Harnwege gut durchspült und  damit von Bakterien und Pilzen befreit. Pektine in der Hagebutte wirken außerdem positiv auf diverse Magen-Darm- Beschwerden. Das

Ein Männlein steht im Walde….

„Männlein dort auf Einem Bein,
Mit seinem rothen Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein,
Kann nur die Hagebutte sein!“

Volkstümliches Kinderlied von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1843.

Gewöhnliche Vogelmiere – Stellaria media

Der Name der Gewöhnlichen Vogelmiere hängt mit der Eigenart zusammen, dass Vögel die Pflanze, besonders die zarten Knospen gerne verspeisen. Die Vogelmiere begleitet den Menschen seit der Steinzeit und zählt heute zu den „Unkräutern“ in unseren Gärten. Doch ist ihr Nutzen gerade in Kulturen wie Weinbergen und Gärten nicht zu unterschätzen, da die dichten, flachen Ausläufer den Boden im Sommer vor Austrocknung schützen.

Dem Gattungsnamen „Stellaria“ liegt das lateinische „stella“ (Stern) zugrunde. Es bezieht sich auf die Anordnung der Blütenblätter; „media“ bedeutet die mittlere. „Stellaria media“ klingt wie ein funkelnder  Stern.

Sie gehört zu den Pflanzen, die man sich unbedingt unter der Lupe anschauen sollte. Die winzigen, weißen Blüten fallen beim normalen Hinsehen fast nicht auf, sieht man sie aber vergrößert, wird man die Pflanze umso mehr schätzen und lieben. Die klitzekleinen Blüten sehen tatsächlich wie Sterne aus. Mit Hilfe der Lupe sieht man auch, dass der Stängel einzeilig behaart ist. Diese „Haarlinie“ am Stängel ist ein charakteristisches Erkennungsmerkmal und unterstützt die Wasserversorgung der Pflanze. Die Vogelmiere wird auch „Hühnermiere“ oder „Hühnerdarm“ genannt. Zieht man vorsichtig am Stängel, erscheint ein dünner Faden, der wie ein Hühnerdarm aussieht.

Die Vogelmiere ist eine niederliegende und robuste Pflanze, die das ganze Jahr geerntet werden kann. Sie zählt zu der Familie der Nelkengewächse und ist ein Wildgemüse sowie eine Heilpflanze. Hauptanwendungsgebiete sind Hauterkrankungen. Sie schmeckt nach jungen Mais und ist eine leckere Salat- und Gemüsepflanze, die uns gerade im Frühjahr wichtige Vitamine und Mineralien schenkt. Bereits 50 Gramm Vogelmierensalat entsprechen in etwa dem täglichen Vitamin – C- Bedarf eines Erwachsenen. Die Vogelmiere hat doppelt so viel Calcium, dreimal so viel Kalium, Eisen und Magnesium wie Kopfsalat. Außerdem enthält die Vogelmiere Vitamin B1, B2 und B3, das Spurenelement Selen, sowie Schleimstoffe und Saponine. Die Vogelmiere ist eine Wetterprophetin. Sie entfaltet sich bei schönem Wetter gegen neun Uhr morgens und blüht bis in die Abendstunden. Bei feuchter Witterung bleibt die Blüte geschlossen.

Schafgarbe – Achillea millefolium

Die Göttin der Schönheit und Liebe, „Supercilium veneris“ (Augenbraue der Venus) wurde die Schafgarbe früher genannt. Achilles, ein Held der griechischen Sage, soll mit der Schafgarbe die Wunden der Soldaten im trojanischen Krieg behandelt haben. In einer anderen Weissagung steht geschrieben, dass Schafe  die Blätter dieser alten Heilpflanze fressen sollen wenn sie unter Koliken leiden (Name!). Der botanische Artname nimmt auf dieses tausendfach gefiederte Blatt Bezug: „mille“ (= tausend) und „folium“ (=Blatt). „Blutstillkraut“, „Zimmermannskraut“, „Bauchwehkraut“ oder „Heil aller Schäden“ – viele Namen künden von großer Heilkraft.

Die Schafgarbe stammt aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist eine ausdauernde, widerstandsfähige, mehrjährige Pflanze die bis zu 70 cm hoch werden kann. Aus einem kriechenden Rhizom mit zahlreichen Ausläufern bildet sich zuerst die zarte Blattrosette mit lanzettlich-spitzen Blättern. Ihr Stängel wächst aufrecht und ist behaart, an seinem Ende verzweigt er sich zu einem oder mehreren Blütenschirmen (Dolden), die aus vielen einzelnen, weiß bis rosafarbenen Blütenkörbchen zusammengesetzt sind. Gerade im Sommer sollten wir nach ihr Ausschau halten. Besonders wenn die Blüten rosa erscheinen, dann hat sie die volle Kraft des Sommers und der Sonne eingefangen. Die Schafgarbe liebt es sonnig und trocken, bevorzugt magere Standorte und ist widerstandsfähig gegen Dürre, Hitze und Kälte. Die gefiederten Blätter schmecken aromatisch-bitter und können das ganze Jahr gesammelt werden und bringen eine angenehme Würze in Kräuterbutter, Salate und vor allem an fette Speisen, denn sie fördert die Fettverbrennung. Für die Medizin ist die Schafgarbe eine vielseitige Heilpflanze, wobei hier das  blühende Kraut verwendet wird. Es sind die verschiedene Inhaltsstoffe, die die Pflanze  interessant macht. Ihre Wirkungen entsprechen weitgehend denen der Kamille, allerdings ist die Schafgarbe sehr viel bitterer. Anwendungen, innerlich: Verdauungsstörungen (Magen, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse) mit Appetitlosigkeit und Blähungen; Menstruationsbeschwerden. Äußerliche Anwendungen: Wundbehandlung, Krampfadern und Hämorrhoiden.                                                                                                           Wo sich Schafgarbe im Garten ansiedelt, sollte man sich freuen, denn sie verleiht den Nachbarpflanzen größere Widerstandskraft und verstärkt ihren Duft.

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